Spätlese

Prädikatswein Spätlese: Die Weine werden zunehmend trocken ausgebaut
Die Spätlese wurde in der Vergangenheit nur süß ausgebaut. Inzwischen erobern trocken ausgebaute Spätlese dieses Marktsegment

 

Prädikat Spätlese

Wein Spätlese
Prädikatswein Spätlese: Die Trauben sind zu diesem Zeitpunkt vollreif bis überreif. Bild: Hans. Lizenz: Public Domain Bild (CC0)

Die Qualitätsstufe ist eines der wichtigsten Qualitätskriterien eines Weines. Hierzulande unterscheiden wir zwischen Land-, Tafel-, und Qualitätsweinen bestimmter Anbaugebiete. Für die hochklassigen Qualitätsweine werden zusätzlich noch die Prädikate Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein vergeben. Welches Prädikat für welchen Wein vergeben wird, ist abhängig vom Zeitpunkt seiner Ernte und seinem Mindestmostgewicht. Die verwendete Rebsorte und das geografische Anbaugebiet spielen hierbei keine Rolle.

Die Entstehung der Spätlese

Der Geschichte nach wurde 1775 in Johannisberg die Spätlese erfunden. Wobei es sich weniger um eine Erfindung handelte, sondern eher der Verspätung eines Kuriers geschuldet war. Zur damaligen Zeit war in den Rheingauer Weingütern der Zeitpunkt der Traubenlese den Gemeinden vorbehalten. Lediglich der Kellermeister von Johannisberg bedurfte einer Erlaubnis vom Fürstbischof von Fulda um mit der Lese beginnen zu dürfen. Doch der ausgesandte Kurier verspätete sich und die Trauben schrumpften und verfaulten an den Rebstöcken. Als der Kurier endlich mit der benötigten Erlaubnis eintraf, holten die Mönche auf dem Johannisberg die scheinbar verdorbenen Trauben ein. Auch der Kellermeister erledigte wie geheißen seine Arbeit. Das Ergebnis überraschte den Johannisberg Kellermeister, denn der Wein aus den teilweise faulen Trauben übertraf an Güte die Weine der Vorjahre deutlich. Die Edelfäule war entdeckt. Mehr über Entstehung der Spätlese und die Kellermeister auf dem Johannisberg kann auf der Seite von Rheingau nachgelesen werden.

Hohe Anforderungen an die Spätlese

Um nun das Prädikat Spätlese zu erhalten, muss ein Wein verschiedenen und gesetzlich festgelegten Herstellungsbedingungen und Qualitätsnormen entsprechen. So müssen Trauben, die für die Herstellung einer Spätlese vorgesehen sind, zur Leseprüfung angemeldet sein und eine amtliche Prüfnummer nachweisen können. Der Zeitpunkt der Ernte ist bei der Spätlese entscheidend. Der Name deutet es schon an – Spätlesen dürfen erst nach Frühlese und Hauptlese, vom Spätlesetermin an gelesen werden. Die Trauben sind zu diesem Zeitpunkt vollreif bis überreif und garantieren so für beste Voraussetzungen. Das Mostgewicht der Weinbeeren muss den Mindestwert von 85° Öchsle übersteigen. Badische Weine müssen sogar, je nach Traubensorte, einen Mindestgehalt von 86° bis 95° Öchsle aufweisen.

Eine Spätlese muss nicht immer süß sein

Die Spätlese galt lange Jahre als ausgesprochen süßer Tropfen. Dass dem nicht so sein muss, zeigen die letzten Jahre, in denen zunehmend trockene Spätlese ausgebaut wurden. Sie werden auf dem Etikett mit dem Hinweis „trocken“ deklariert. Nur wenn dieser Zusatz nicht vermerkt ist, kann man von einer restsüßen Spätlese ausgehen. Im Allgemeinen handelt es sich bei einer Spätlese um einen körperreichen und sehr vollmundigen Wein. Gärt ein Most beim Keltern nicht vollständig durch, so bleibt eine gewisse natürliche Restsüße erhalten und man spricht von einer „restsüßen Spätlese“.

Spätlese außerhalb Deutschlands

Grundsätzlich kann eine Spätlese in allen Weingebieten angebaut werden. Im Elsass entspricht unsere Spätlese der dortigen Klassifizierung „Vendange tardive“. Im englisch-sprachigen Raum wird die entsprechende Spätlese auf dem Etikett als „late harvest“ deklariert. Gesetzlich garantiert sind die Qualitätsmerkmale der Spätlese allerdings nur in Deutschland und Österreich.

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